Wie funktionieren Argumentkarten?

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Vom Ansatz her ähneln Argumentkarten Mindmaps: Beides sind grafische Darstellungen von Textelementen. Grafische Darstellungen dieser Art haben Vorteile gegenüber rein textlichen Präsentationen: Die baum- oder netzwerkartige Struktur erlaubt es, einfacher zwischen den verschiedenen Ebenen oder Zweigen zu navigieren und einzelne Punkte zu fokussieren. Anders als Mindmaps sind Argumentationskarten keine Darstellung von Themen und Unterthemen. Stattdessen stellen sie eine Beweiskette dar – eine idealisierte Beweiskette.

Argument maps bestehen aus den Basiselementen Frage, Vorschlag oder These, Pro und Con. Handelt es sich um einen Vorschlag, so sind Pro und Contra konkurrierende Gründe, die für oder gegen die Realisierung des Vorschlages sprechen. Die Entscheidung wird auf dem Wege der Abwägung getroffen. Handelt es sich um eine These, so sind Pro und Contra Argumente, die für oder gegen diese These sprechen. Die Triftigkeit des Arguments hängt davon ab, wie stark die Beweiskraft der dabei verwendeten Prämissen ist – das heißt, wie wahrscheinlich es ist, dass die damit getroffenen Aussagen wahr sind.

Alle Zeichen beziehen sich immer unmittelbar auf das jeweils vorangehende Element. Das bedeutet: Ein Pro, welches auf Contra antwortet, unterstützt dieses Contra (anstatt dass es einen Widerspruch zu der Ausgangsthese anzeigt). Am Beispiel: Dies (unten) sind die Beweislasten, welche ein Befürworter der These oder des Vorschlags erbringen muss (oder die Punkte, deren Ungültigkeit ein Gegner erweisen muss):

Und dies (unten) sind die Beweislasten, welche ein Gegner der These oder des Vorschlags erbringen muss (oder die Punkte, deren Ungültigkeit ein Befürworter erweisen muss):

Argument maps rekonstruieren lediglich die Verkettung von Pro- und Contra-Elementen, die für oder gegen einen Vorschlag oder eine These sprechen. Darüber, ob der zugrunde gelegte Vorschlag zu befürworten oder die die zugrunde gelegte These wahr ist, macht die Argument map keine Aussage. Diese Beurteilung liegt vielmehr im Auge des Betrachters, der für sich die Triftigkeit der einzelnen Elemente bewertet.

Am Beispiel einer Verkettung von Pro und Contra-Elementen:  Wenn das Pro-Element (1) wahr ist, dann ist damit auch die Wahrheit des Contra-Elements (2) belegt – was dafür spricht, die übergeordnete These (3) zu verwerfen (unten):

Müssen zwei (oder mehrere) Prämissen („Pros“) wahr sein, damit auf logischem Wege die Gültigkeit einer übergeordneten These erwiesen ist, werden diese durch ein „& (1+2) dargestellt:

Entsprechend sind zwei (oder mehr) Vorschläge, von denen nur ein einziger realisiert werden kann, durch ein „oder (1; 2)“ angezeigt:

Sinn und Zweck einer Argumentationskarte ist nicht, tatsächliche Diskurspraktiken durch eine Art Kalkül zu ersetzen, sondern vielmehr, den fortlaufenden Überlegungsprozess zu unterstützen.

Weitere Vorteile von Argumentationskarten zur Unterstützung von kollaborativem Planen und Entscheiden und sind:

  • Klarheit darüber, welche Themen bereits in die Diskussion eingebracht und wie ausführlich diese besprochen wurden
  • Ergänzungen können vorgenommen werden, ohne bereits Gesagtes wiederholen zu müssen
  • Versachlichung: Argumente treten an die Stelle von Reputation und Rhetorik
  • Durch die Aufgliederung komplexer Argumente in die zugrunde liegenden Prämissen wird deutlich, welche Beweislasten erbracht werden müssen, um die in Frage stehende Behauptung oder den in Frage stehenden Vorschlag erfolgreich zu unterstützen oder zu entkräften

Insgesamt helfen Argumentationskarten, Idealen ein Stück weit näher zu kommen wie:

  • Partizipation
  • Informiertheit
  • Transparenz
  • „Gute“ Deliberation
  • rational legitimierte Entscheidungen

Weitere Informationen: siehe Bibliothek.