Weisheit der Vielen – mit Demokratie?

Führen Demokratische Entscheidungsverfahren zu besseren Ergebnissen als die Diktatur eines wohlmeinenden Herrschers oder eine Oligarchie von Experten?

The New Republik rezensiert das kürzlich erschienene Buch Honeybee Democracy.

Hélène Landemore zieht in einem Aufsatz mit dem Titel “Democratic Reason. The Mechanisms of Collective Intelligence in Politics” eine Parallele zwischen Verfahren der Durchschnittsbildung, die der amerikanische Publizist James Surowiecki in seinem Buch “Die Weisheit der Vielen” beschrieben hatte, und demokratischen Verfahren der parlamentarischen und öffentlichen Diskussion und der Wahl.

Pak-Hung Mo stellt in einem Working Paper ein System Rationaler Demokratie vor. Das System vereint die Eigenschaften

1. democratic participation 2. serving for universal interest 3. public sector efficiency 4. sustainability by incentive compatibility and virtuous cycles. It is a political structure that serves the people, rules by rationality, strives for efficiency and is sustainable. The system comprises a set of institutions and organizations that provide incentives and support for the participants to enhance universal interest.

Sean Ingham tritt als Spielverderber auf, indem er zeigt, warum es schlichtweg unmöglich ist, zu beweisen, dass Demokratie bessere Ergebnisse hervorbringt als nicht-demokratische Entscheidungsverfahren. Christian List zeigt in einem Working Paper, warum selbst in der Theorie gemeinsames Überlegen, welches bestimmten rationalen Standards folgt, eher nicht dazu führen wird, dass sich am Ende alle auf die eine und beste Lösung verständigen.




Mangel an öffentlicher Diskussion Grund für Finanzkrise?

Matthias Goldmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, untersucht in einem im German Law Journal erschienen Aufsatz, wie gut unterschiedliche Regierungsformen in der Lage sind, mit Finanzkrisen umzugehen. Zur Diskussion stehen folgende Möglichkeiten:

  1. Autoritäre Regierungen können mehr Systemstabilität gewährleisten als Demokratien und sind deshalb auch in der Lage, mit Finanzkrisen besser umzugehen
  2. Wie gut eine Regierung Finanzkrisen bewältigen kann, hat mit der Regierungsform nichts zu tun
  3. Die stattgefundene Finanzkrise war die Folge eines Demokratie-Defizits auf nationaler und internationaler Ebene.

“The paper (…) looks into some of the causes of the crisis that have been identified in the literature. It shows that each of these causes can be understood as a lack of public reasoning. Indeed, I claim that there is an intrinsic relationship between the prudential regulation of financial markets and public reasoning. Public reasoning is destined to optimize decision-making under conditions of uncertainty, which is exactly what prudential regulation is about. This insight has important consequences for the design of the regulatory architecture and the interpretation and application of domestic and international law relating to financial market regulation. Enabling public reasoning should be the guideline for both in policy-making and legal interpretation.”

Liest sich ganz wie Werbe-Paper für die Organisation Financewatch.




Debattenschau 05.07.2011

Der Streit um PID: heute im SWR 2-Forum um 17:05 (mit der katholischen Moraltheologien Hille Haker und dem Philosophen Otfried Höfe), in der Studiozeit des Deutschlandfunk (20:10)  – und im Bundestag.

Im politischen Feuilleton (DRdadio) macht sich Jörg Kantel dafür stark, das Internet nicht der Medienindustrie zu überlassen.

In der taz-Debatte: Sollen und können Facebook-Partys verboten werden?

Die Welt meint, “übertriebene Lohnforderungen” der Gewerkschaften würden den Aufschwung gefährden.

George Monbiot diskutiert mit den Lesern des Guardian am Mittwochmorgen um 10 Uhr über nuclear power &

“my reasons for supporting the technology, but not the industry.”

Nicht mehr ganz taufrisch, aber dennoch …: Debatte bei Böll: Der Konflikt zwischen Klimawandel und Demokratisierung. Eine Diskussion mit Peter Burnell, Politikwissenschaftler an der University of Warwick.

Kann die Frage, was (moralisch) gut oder schlecht ist, mit wissenschaftlichen Mitteln beantwortet werden?  Der Neurowissenschaftler Sam Harris meint: ja. Der Scientific American berichtet.

Wohlstand ohne Wachstum ist möglich und unausweichlich, behauptet der britische Ökonom Tim Jackson. Im Interview mit dem European (englische Version).

Elizabeth Gumport spricht sich in n+1 gegen die Institution der Rezension aus.

Hillel Ofek diskutiert in The New Atlantis Gründe für den wissenschaftlichen Niedergang der arabischen Welt. Er wird fündig in der Geistesgeschichte:

[T]he Islamic turn away from scholarship (..) can be traced back to the rise of the anti-philosophical Ash’arism school among Sunni Muslims, who comprise the vast majority of the Muslim world.

Darüber hinaus schließt sich Ofek der Meinung von Toby E. Huff an, der behauptet:

“The rise of modern science is the result of the development of a civilizationally based culture that was uniquely humanistic in the sense that it tolerated, indeed, protected and promoted those heretical and innovative ideas that ran counter to accepted religious and theological teaching. Conversely, one might say that critical elements of the scientific worldview were surreptitiously encoded in the religious and legal presuppositions of the European West.”

 

European scholars argued explicitly that when the Bible contradicts the natural world, the holy book should not be taken literally.