Bücher-Battle bei Böll

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„Bücher-Battle“: das ist der etwas martialiche Name für neues Veranstaltungsformat der Heinrich Böll-Stiftung. Vergangenen Freitag fing es unter dem Motto „Effizienz vs. Suffizienz“ um eine ‚Schlacht‘ zwischen den Büchern beziehungsweise Autoren Marcus Franken (Bericht aus der Zukunft) und Angelika Zahrnt (Damit gutes Leben einfacher wird).

Der Ablauf: Jeder der beiden Kämpfer erhält zu Anfang 15 Minuten Redezeit, in der er für die Hauptthesen seines Buches werben kann. Die Reihenfolge der Redner wird ausgelost. Danach findet eine Blitzumfrage im Publikum statt („wer tendiert zu Marcus Franken, wer zu Angelika Zahrnt?“)

Anschließend stellt eine Jury Fragen an die beiden Kontrahenten. In der Battle Effizenz vs. Suffizienz setzte sich diese Jury zusammen aus der Journalisten Christiane Grefe (Die Zeit), dem Journalisten und Buchautor Christian Schwägerl, dem vormaligen Abgeordnetem Hermann Otto und der Heinrich Böll Stiftung-Stipendiatin Antonia Bartning.In einer Abschlussrunde erhalten Teilnehmer aus dem Publikum die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die Jury schreitet gegebenfalls ein, falls einer der beiden Kontrahenten seinen Anteil an Redezeit zu überschreiten droht.

Ganz am Ende kommt noch einmal die Frage auf den Tisch: Wer ist nun, da die Argumente ausgetauscht wurden, für den einen, wer für den anderen Kandidaten? Zunächst geben die Jurymitglieder ihre Stimmen ab. Dann, noch einmal, das Publikum.

Wie gut funktionert das neue Format? Als Verfahren, um Themen aufzureißen und Problemhorizonte abzuschreiten: Großartig. Durch den festgelegten Ablaufplan und die begrenzten Redezeiten kommt sehr viel Dynamik in Spiel als in einer ungeordneten Diskussion. Hoher Unterhaltungswert.  Auf der anderen Seite: nach Situationen, wo unter dem Motto „Effizienz vs. Suffizienz“ wirklich Thesen mit eindeutig kontroversem Charakter zu finden sind, musste man im Verlaufe der zweistündigen Veranstaltung schon sehr genau Ausschau halten. Die genaue Herausarbeitung von Konfliktlinien ging im Spiel zwischen den vielen möglichen Ebenen und Aspekten leicht unter.

Dass dies, alles in allem betrachtet, nicht unbedingt ein Manko ist, zeigte die Abschlussrunde. Hatten zuvor die meisten Mitglieder der Jury sehr lobende Worte für das insgesamt sehr detaillierte Buch von Marcus Franken gefunden (im Vergleich mit dem Zahrnt’s Damit gutes Leben einfacher wird geradezu inhaltsleer daherzukommen schien) und auch mit der Skepsis gegenüber freiwilliger Umwelt-Ethik sympathisiert, vergaben sie doch mehr Punkte an Zahrnt. Der Grund: Der Eindruck, den Damit gutes Leben einfacher wird beim Leser hinterlässt, der Stachel, den es hinterlässt, schien den Juroren unterm Strich relevanter zu sein als die im Detail zutreffenden Fallbeispiele und Argumente des Bericht aus der Zukunft. Dieses Resultat spiegelte sich auch in den Ergebnissen der Teilnehmerbefragung wieder.

Der Einwand liegt nahe: Hier sind Ebenen vermengt worden! Schließlich ist die Beurteilung von Argumenten auf ihre Triftigkeit hin etwas anderes als die Bewertung des Stimulus-Effektes von Texten. Andererseits: unterm-Strich-Relevanz ist durchaus eine Dimension, auf die es ankommt. Und zumindest diese Dimension wurde durch das Verfahren der Bücher-Battle auch deutlich herausgefiltert. Dies zeigen auch die Befragungsergebnisse: die zweite Runde der Teilnehmerabstimmung ging 94:52 für Zahrnt aus. In der ersten Runde hatte es noch eine deutliche Mehrheit für Franken gegeben.